Auktion: 509 / Wertvolle Bücher am 30.11.2020 in Hamburg Lot 420000527

 
420000527
Mauritius Hibernicus
Distinctiones. Manuskript auf Pergament, um 1300.
Schätzpreis: € 20.000
+
Objektbeschreibung
700 Jahre alt

Mauritius Hibernicus
Distinctiones sacrae scripturae. Lateinische Handschrift auf Pergament. Um 1300.

- Seltene und frühe Handschrift der Distinctiones des Franziskaners Mauritius Hibernicus (lebte um 1250)
- Im Mittelalter weit verbreitetes Handbuch für Prediger mit alphabetisch geordneten Erklärungen biblischer Begriffe
- Geschrieben in gotischer Textualis mit zahlreichen roten und blauen Lombarden, teils mit Federwerk
- Sehr schönes und guterhaltenes Manuskript von bedeutender Provenienz


Die Handschrift ist in der zweiten Hälfte des 13. oder in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden; vieles spricht für eine Entstehung um 1300. Die Schrift zeigt die typischen Merkmale der Universitätsschrift (littera Parisiensis) des 13./14. Jahrhunderts. - Textbeginn: Circa abiectionem nota, qualiter in scripturis sumitur, qualiter dividitur, et que abicienda nobis ostendantur . Die letzten 4 Bll. (224-227) des Werkes fehlen. - Angebunden sind 10 Bll. mit anonymen Predigtskizzen, die vermutlich früher zu datieren sind als das Hauptwerk. Textgestaltung nahezu identisch, jedoch mit 53-63 Zeilen und ohne farbige Lombarden und Paragraphzeichen.
Das erste Blatt enthält verso umfangreiche Eintragungen eines frühen Besitzers (13./14. Jh.), die aus paläographischen, ästhetischen und vor allem kulturhistorischen Gründen Beachtung verdienen (symbolische Deutungen, Distichen und Hexameter; siehe ausführl. Beschreibung im beilieg. Gutachten). - Das zweite Blatt mit markantem Besitzvermerk des 15. Jahrhunderts: "Iste liber est sancti Victoris parisiensis. Quicumque eum furatus fuerit vel celaverit vel titulum istum deleverit, anathema sit. Amen" (Übers.: Dieses Buch gehört dem Stift St. Viktor zu Paris, Wer immer es stiehlt oder unterschlägt oder diesen Besitzvermerk tilgt, der sei im Bann. Amen). Verso mit farbig gemaltem Wappen von St. Viktor, flankiert von Anrufungen in Rot (Jesus, Maria, S. Victor, S. Augustinus). Das Stift St. Viktor, 1113 gegründet, war ein blühendes geistiges Zentrum, in dem die für den Weg der Theologie bedeutsame Schule der Viktoriner wirkte. St. Viktor hat wesentlich das geistige Klima mitbestimmt, in dem zu Beginn des 13. Jhs. die erste und maßgebende europäische Universität (Paris) entstand. Die reiche und berühmte Bibliothek wurde 1790 während der Revolution aufgelöst und größtenteils in die Bibliothèque Nationale überführt. -
Mit einem detaillierten Gutachten des Kölner Historikers und Archivars Dr. Joachim Vennebusch vom Juni 1978.

EINBAND: Pergamentband des 16./17. Jhs. unter Verwendung einer liturgischen Choral-Handschrift des 15. Jhs. 30 : 22 cm. - ILLUSTRATION: Mit 2 großen dreifarbigen Fleuronné-Initialen mit Fleuronné-Stäben am Rand sowie durchgehend mit Lombarden und Paragraphzeichen, jeweils alternierend in Rot und Blau, davon die am Anfang eines neuen Buchstabens 3- oder 4-zeilig mit rot oder rot-grünem Federwerk. - KOLLATION: 234 Bll. (Senionen, letzte Lage Quinio). Blattgröße 29,5 : 21 cm. Textfeld 21,5 : 13,5 cm. 2 Spalten. 50 Zeilen. Textualis von 1 Haupthand (Bl. 215rb-216v von anderer Hand). Foliierung von etw. späterer Hand (14. Jh.), durch neuere Foliierung ergänzt. - ZUSTAND: Blattkollation: I-IV (Inhaltsverz.), 1-2, 5-125, (125a), 126-129, (129a), 130-217, 220-223; 228-237 (angeb. Predigten). - Fehlen die Bll. 3-4, 218-219 und 224-227 (Schluß). Zu Beginn das röm. num. Bll. 2 ersetzt von einer späteren Hand in ähnlicher Textualis, vermutlich noch im 14. Jahrhundert. - Eine Fehlstelle in Bl. III ist bemerkenswert ergänzt durch ein Brieffragment des 13./14. Jhs., darauf die Formel "amico suo". - Stellenw. gering fleckig, erste 4 Bll. gebräunt, insges. gut erhalten. Die angebundenen Bll. meist stärker fleckig und verwischt sowie gegen Ende mit Fehlstellen durch Insektenfraß. - PROVENIENZ: Besitzvermerk und Wappen der Abtei St. Viktor in Paris (15. Jh.) auf Bl. 2 recto bzw. verso. - Gestochenes Wappen-Exlibris St. Andrew St. John of Bletsoe, mit der maschinenschriftlichen Ergänzung "Moubray", wohl Moubray St. John, 19. Baron St. John of Bletso (1877-1934). - Sammlung Eckhard Günther (Exlibris und hs. Kaufvermerk dat. 1976).
LITERATUR: F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. III, Nr. 5566. - Vgl. die Handschrift BSB Clm 14289.

Latin vellum manuscript. Rare early manuscript of the Distinctiones by the Franciscan Mauritius Hibernicus (lived around 1250). It was widely used among medieval preachers as it features explanations of bible terms in alphabetical order. Written in Gothic textualis with numerous red and blue lombards,partly with penwork. Very fine and well-preserved manuscript with a significant provenance. 16th/17th vellum binding using a liturgical choral manuscript from the 15th century. 30 : 22 cm. With 2 large tricolored fleuron initials with fleuron bars in margins, consistely with lombards and section signs, each alternating in red and blue. 234 leaves. Lacking leaves 3-4, 218-219 and 224-227 (end). At beginning Roman numbered leaf 2 replaced by a later hand in similar textualis, presumably during the 14th century. Minor isolated stains, first 4 leaves browned, all in all well-preserved. 10 leaves with sermon sketches by an anonymous hand bound in, which presumably orignate from an earlier point as the main work. Ownership entry and coat of arms of the abbey St. Viktor in Paris (15th century). Engraved armorial bookplate of Moubray St. John, 19th baron St. John of Bletso (1877-1934). - Collection Eckhard Günther (bookplate and hand-written purchase note, dated 1976)

 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Mauritius Hibernicus "Distinctiones. Manuskript auf Pergament"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 200.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 200.000: Teilbeträge bis einschließlich € 200.000 32 %, Teilbeträge über € 200.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 200.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 200.000: Teilbeträge bis einschließlich € 200.000 25%, Teilbeträge über € 200.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.